2010 – Der Jahresrückblick

Posted: 31. Dezember 2010 in Uncategorized

Das Jahr 2010 nähert sich seinem Ende (noch knapp zwei Stunden, um ehrlich zu sein), und was für ein Jahr war es! Das Jahr als ereignisreich zu bezeichnen, wäre noch stark untertrieben. Ich will versuchen, das vergehende Jahr nun Revue passieren zu lassen. Falls ich wichtige Ereignisse vergessen sollte (kann bei der schieren Menge gut passieren), bitte ich dies zu entschuldigen.

Das Jahr der (Natur)-Katastrophen:

Das Jahr 2010 war nur einige Tage alt, als die Karibikinsel Haiti, der ärmste Staat der westlichen Hemisphäre, um kurz vor 17 Uhr Ortszeit von einem verheerenden Beben der Stärke 7,0 getroffen wurde, dessen Epizentrum in der Nähe der Hauptstadt Port-au-Prince lag.
Durch die schlechte Infrastruktur und mangelnde Gebäudesicherheit hatte das Beben vor allem in der Hauptstadt des Landes vernichtende Ausmaße: Über 200.000 Menschen starben in den Trümmern ihrer Häuser (Schätzungen gehen sogar bis zu 300.000, was etwa der Bevölkerung von Karlsruhe entspricht). Dem Beben vom 12. Januar folgten noch viele weitere Nachbeben, die ebenfalls Schäden verursachten.
Doch als ob die Haitianer nicht schon genug gestraft wären, geht seit einigen Monaten nun auch noch eine Choleraepidemie durchs Land, die ebenfalls schon Hunderte Opfer gefordert hat. Und noch liegen immer noch Teile der Hauptstadt in Trümmern, weil die (zugegebenermaßen große) internationale Hilfe wohl nicht überall angekommen ist.

Doch nicht nur Erdbeben bereiteten der Menschheit in diesem Jahr Probleme, auch ein isländischer Vulkan namens Ef- Eyjfl- Eyjafjallajoküll sorgte für mächtig… Asche, hauptsächlich. Denn das war der Großteil der Dinge, die er im April diesen Jahres in den Himmel spuckte, und durch die Luftströmungen eine kleine, aber feine Aschewolke über Europa legte, was einige Tage später zum Ausfall des gesamten verdammten Flugverkehrs in Europa führte. Für einige Tage konnten wohl Menschen, die am Flughafen wohnten, nicht einschlafen, weil ihnen die gewohnten Geräusche dazu fehlten, und der Himmel war während dieser Zeit schön blau… naja, mal abgesehen von Island vielleicht.

Der isländische Vulkangott ist etwas genervt.

Doch die nächste Katastrophe ließ nicht lange auf sich warten, diesmal war es im August die Flut in Pakistan. Mitte des Monats standen große Teile des Landes unter Wasser, doch die Spendenbereitschaft hielt sich wohl auch wegen dem negativen Image des Landes in Grenzen. Millionen von Häusern wurden durch die Wassermassen beschädigt, während man in Russland mit einem anderen Problem zu kämpfen hatte – Rekordhitze, Trockenheit und weitläufige Wald- und Torfbrände, die die Luft so verpesteten, dass man in Moskau mit Mundschutz herumlief.

Russland ist kalt. Manchmal.

Und dann gab es noch eine der größten Umweltverschmutzungen aller Zeiten, als am 20. April die im Golf von Mexiko liegende Bohrinsel Deepwater Horizon explodierte und in den folgenden Monaten liefen gigantische Mengen Öl in den Golf von Mexiko, verunreinigten die Küste der USA und führten zu scharfer Kritik am Ölkonzern BP, der es erst Anfang August geschafft hatte, das Bohrloch endgültig zu schließen.

Und auch Deutschland wurde von einem dramatischen Ereignis erschüttert. Bei der Loveparade in Duisburg starben 21 Menschen bei einer Massenpanik. Wenn man bedenkt, dass dieses Festival mit über 1 Million Besuchern in den vergangenen Jahren auf einem viel zu kleinen Gelände mit einem(!) Ein- und Ausgang(!) , der noch dazu durch einen Tunnel führt, wäre es wohl eher verwunderlich gewesen, wenn so etwas nicht passiert wäre. Es ist aber passiert, und niemand übernahm die Schuld, Veranstalter und Polizei lieferten sich gegenseitig Schuldzuweisungen, und am Ende war nichts aufgeklärt. Noch nicht, vielleicht erfährt man ja 2011 noch was. Oder ich habe es schlicht und einfach verpasst.

Das Jahr der Skandale:

2010 war ein in mehreren Fällen skandalöses Jahr. Thilo Sarrazin veröffentlichte sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ und setzte damit eine gewaltige Integrationsdabtte in Gang, die letztlich aber ohne wirkliche Konsequenzen blieb, außer das Sarrazin jetzt sozusagen als Geächteter gilt. Mehr will ich hierzu auch nicht sagen, da ich vorher erstmal das Buch lesen will und nicht wie manch andere „Experten“ munter draufloskritisieren möchte.

Doch auch die katholische Kirche erlebte ein schwieriges Jahr, da es in diesem Jahr viele Enthüllungen rund um Kindesmissbrauch gab, den die Kirche jahrzehntelang gedeckt hatte. Amüsant finde ich dennoch, dass die Kirche nach all diesen Geschehnissen wie vor als moralische Instanz auftreten will (und dass es immer noch Leute gibt die jedes Wort glauben).

Aber auch die evangelische Kirche hatte ihre Probleme: Die damalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann fuhr mit 1,54 Promille über eine rote Ampel, und wurde von der Polizei erwischt – sie trat einige Tage später von allen Ämtern zurück.

Doch der vielleicht größte Skandal entwickelt sich erst – es begann im November diesen Jahres, als Wikileaks über Twitter verkündete: The coming months will see a new world, where global history is redefined. Dies war am 22. November. Eine Woche später veröffentlichten der Spiegel in Deutschland, der Guardian in England und Le Pais in Frankreich erste Auszüge aus den Berichten der US-Diplomaten, in der die deutschen Politiker, v.a. Guido Westerwelle, nicht unbedingt positiv bewertet wurden. Seitdem werden täglich einige Berichte veröffentlicht, Stand momentan sind 1947 veröffentlichte Dokumente… von 251.287!!

Somit ist anzunehmen, dass noch einige interessante Entdeckungen folgen, vor allem, wenn man bedenkt, für welchen Wirbel allein schon die bisherigen Veröffentlichungen gesorgt haben, wird 2011 ein in dieser Hinsicht sehr interessantes Jahr! (Beim jetzigen Tempo von 2000 Dokumenten pro Monat hätte man sogar noch 10 Jahre auf die Vervollständigung zu warten).

Dank Wikileaks herrschte dann auch noch für einige Tage Krieg im Internet, als nacheinander Unternehmen wie Paypal und Visa ihren Dienst für Wikileaks einstellten, und deren Websites dann von Web-Aktivisten abgeschossen wurden. Momentan hat sich die Situation beruhigt, aber der Konflikt wird mit Sicherheit in 2011 erneut aufflammen!

Jahr der sportlichen Erfolge:

Das Sportjahr begann effektiv mit den Olympischen Winterspielen in Vancouver, die zu Beginn überschattet waren vom vermeidbaren Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der im Training mit über 100 Stundenkilometern von der Bahn geflogen und gegen einen ungeschützten(!) Stahlträger geprallt war.

Dennoch wurden es vor allem für die deutsche Mannschaft erfolgreiche Spiele, am Ende stand man hinter Gastgeber Kanada auf dem zweiten Platz im Medaillenspiegel, mit 10 mal Gold, 13 mal Silber und 7 mal Bronze.

Dann kam das Sporthighlight des Jahres: Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, bei der die deutsche Mannschaft, begleitet von nervigen Vuvuzela getrötet, mit wunderbarem Offensivfussball zuerst England und dann auch noch Maradona abfertigte, und letztlich am späteren Weltmeister Spanien scheiterte, die vom Achtelfinale bis zum Finale immer 1:0 spielten und auch Holland im Finale besiegten.
Lächerlich scheiterten Frankreich und Italien, die beiden Finalisten der WM 2006, die beide in der Vorrunde ausschieden. Die französische Nationalmannschaft lieferte wenigstens abseits des Platzes noch mehr Entertainment als alle anderen Mannschaften.

Und auch im Rennsport, genauer gesagt der Formel 1, gab es mit Sebastian Vettel wieder einen deutschen Weltmeister. In einer dramatischen Saison, in der zwei Rennen vor Schluss noch fünf Fahrer Weltmeister werden konnten, hatte er vor dem letzten Rennen noch einige Punkte Rückstand auf Fernando Alonso, der allerdings eines genial unnötigen Boxenstopps im letzten Rennen in Abu Dhabi viele lange Runden hinter Vitali Petrov fahren musste und diesen nicht überholen konnte. Vettel gewann und wurde Weltmeister.

Am Ende des Jahres wurden dann noch die Weltmeisterschaften für 2018 und 2022 vergeben, an Russland und Katar. Besonders die Wahl von Katar ist angesichts der klimatischen Bedingungen dort eher suboptimal aber die Stadien werden ja runtergekühlt… wobei man sagen muss, wenn die Stadien so werden wie in diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=d-z2jtUS9-Y , dann wäre das schön hübsch anzuschauen. Doch das fussballerische Niveau von Katar lässt sich anhand eines Videos gut zusammenfassen:

Jahr des politischen Stillstands:

Es war das erste volle Jahr, dass Schwarz-Gelb nun an der Regierung war – und was haben Sie erreicht? In Erinnerung hat man noch die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers – oh, wie praktisch! – und der Atomausstiegausstieg, samt Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke.

Vor allem letzteres ist angesicht der nach wie vor ungelösten Entsorgungsfrage geradezu lächerlich, aber die Atomlobby hat bestimmt auch genug bezahlt, also lassen wird die Kraftwerke laufen und Müll produzieren bis es irgendwann laut knallt und es wieder keiner gewesen sein will. „Aber das wir in unserer Generation nicht mehr passieren“ , denken sich wohl alle Beteiligten.

Und was ging ansonsten politisch in Deutschland ab? Rücktritte, v.a. in der CDU, Koch, Köhler und van Beust traten zurück, irgendwann steht Frau Merkel alleine da, zusammen mit Herrn Guttenberg, der ins Verteidigungsministerium abgeschoben wurde, und Frau von der Leyen.

Währenddessen geht es der FDP nicht mehr so gut: Von innerparteilichen Streitereien und fehlendem Einhalten der Wahlversprechen getroffen, steht die Partei bei der letzten Forsa-Umfrage bei drei Prozent. Wie lange die Koalition wohl noch hält? Und wie lange wird es wohl dauern, bis die FDP unter „Sonstiges“ fällt, zusammen mit schmucken Parteien wie den Violetten und der NPD?

Eine andere Partei feierte dagegen einen Aufstieg: Die Grünen liegen derzeit bei 20 Prozent und waren kurzzeitig in den Umfragen sogar vor der SPD platziert. Im Jahr 2011 möchte man gerne in Berlin und Baden-Württemberg die Regierung übernehmen, z.B. mit einer grün-roten (nicht rot-grünen!) Regierungskoalition.

Das Jahr 2011 wird auch in dieser Hinsicht interessant, soviel ist sicher.

Jahr des „Wutbürgers“:

In Deutschland ist revolutionäre Stimmung möglich. Das hat man dieses Jahr vor allem anhand der Proteste gegen Stuttgart 21 und gegen die Castor-Transporte gesehen.
Als ich im Urlaub im August zum ersten Mal von Protesten gegen das Stuttgart 21 hörte, dachte ich etwa „Jaja, die Stuttgarter.“
Aber wie weit diese Demonstration in diesem Herbst noch gehen sollten, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Wasserwerfer, Pflanzung von Bäumen, Polizeigewalt – dann das Schlichtungsverfahren, das am Projekt S21festhielt. Was auch sonst? Die Proteste waren doch von vornherein zum Scheitern verurteilt, das einzige was durch die ständigen Blockaden passiert ist, ist die Verteuerung des Projekts – das, was die Demonstranten angeprangert hatten. Das Paradox dieses Jahres.

Und auch die Anti-Atom-Proteste flammten nach der Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke ebenfalls wieder auf. Der Castortransport brauchte aufgrund dieser Blockaden so lange wie noch nie, und diese Entwicklung trug wohl hauptsächlich zum fabulösen Aufstieg der Grünen in diesem Jahr bei.

In Bayern kippte währenddessen die Bevölkerung per Volksendscheid das gelockerte Rauchverbot und beschlossen ein absolutes Rauchverbot. Insgesamt also machten die Bürger dieses Jahr mehr Druck auf Politiker und andere Verantwortliche in diesem Land. Und „Wutbürger“ wurde Wort des Jahres.

Jahr der Euro-Achterbahnfahrt:

Es war kein leichtes Jahr für die europäische Gemeinschaftswährung, und auch die EU an sich bröckelte mehrfach ganz schön. Höhepunkt des Dramas war der Bankrott Griechenlands, und das dramatische Ringen um ein Rettungspaket, um das tief von Korruption durchzogene Land wieder auf die Beine zu stellen. Der Euro-Rettungsschirm soll in Zukunft ähnliches verhindern. Doch schon droht mit Irland die nächste Staatspleite, und auch Spanien und Portugal sind massiv gefährdet, pleite zu gehen. 2011 wird also mindestens genauso schwierig wie 2010, wer weiß, ob Estland, dass morgen den Euro einführt, vielleicht überhaupt noch ein Jahr mit dieser Währung zahlen wird.
Die Spannungen an Aktien und Währungsmärkten werden mit Sicherheit nicht abnehmen, und welche Währung als erstes draufgeht, weiß niemand so recht.

Jahr der Terrorpanik:

„Der Reichstag könnte Ziel eines terroristischen Angriffs werden“. Hieß es. „Deutschland ist gefährdet, aber wir wollen keine Panik verbreiten“. So oder so ähnlich hieß es. Passiert ist? Nichts.
Dafür knallte es in Schweden, in Dänemark fast und auch New York entging nur knapp einem Blutbad. Doch war Deutschland gefährdet? Ich wage es mal stark anzuzweifeln. Leiden mussten die Überstunden machenden Polizisten. Aber da ich zu dieser Thematik mich schon in einem anderen Post, geäußert habe, möchte ich darauf jetzt nicht weiter eingehen

Das Chile – Jahr:

Im Jahr 2010 kam das südamerikanische Land, um das sich die Welt sonst… naja, einen feuchten Dreck schert, gleich mehrfach in die Schlagzeilen.
Zuerst mit einem Erdbeben der Stärke 8,8, das das sechststärkste je gemessene Beben war. Da man in Chile aber aufgrund der geographischen Lage Erdbeben gewohnt ist, baut man auch erdbebensicher, somit waren die Folgen dieses Bebens fast schon harmlos im Vergleich zu dem z.B. auf Haiti.

Dann, am 4. August, kam es in einer Kupfermine im Norden des Landes zu einem Grubenunglück, bei dem 33 Bergleute verschüttet wurden. Erster Gedanke: „Jo, das wars dann wohl.“ Nicht so in Chile. Da man vermutete, dass sich die Bergleute in einen Schutzraum geflüchtet haben könntet, bohrte man in ihre Richtung, um zu sehen, ob noch jemand am Leben war. Und tatsächlich fand mal alle 33 Bergleute wohlauf in jenem Schutzraum, versorgte sie über den gebohrten Schacht mit Nahrungsmitteln.

Es wurden daraufhin drei Bohrungen angesetzt, um die Arbeiter aus ihrer Misslage zu befreien. Zuerst hieß es, die Arbeiter würden frühestens zu Weihnachten befreit. Doch alles ging fiel schneller als gedacht, am 9. Oktober stieß der Bohrer zu den Bergleuten vor. Und am 13. Oktober dann die Befreiung, die weltweit von hunderten Millionen Menschen gesehen wurde, Das „Wunder von San Jose“.

In den Tagen danach habe ich mich gefragt, was wohl in Deutschland bei selbigem Unglück passiert wäre – wahrscheinlich wären die Bergleute, bis sich die profilierungssüchtigen Politiker auf eine möglichst günstige Rettungsmöglichkeit geeinigt hätten, in der Mine verrottet.


So, dass sollte es aber nun gewesen sein. Ach ja, eines war ja noch, der Eurovision Song Contest, denn den hat Lena ja gewonnen, also zum Abschluss noch ihr Lied, dass mich immer noch nervt^^:

Ich wünsche allen Lesern ein schönes und erfolgreiches Jahr 2011!

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